Ethik der Digitalisierung

Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist längst normal geworden. Schon in vielen Bereichen bestimmt KI unseren Alltag – beginnend bei Suchmaschinen über Navigationssysteme und Chat Bots bis hin zu Alexa und das ganze Thema Smart Home. Gern nutzen wir diese Vereinfachungen, die das Leben für uns leichter machen. Doch wo genau wollen oder sollen wir dabei eigentlich die Grenzen ziehen? Brauchen wir eine Ethik der Digitalisierung?
 
Liest man Frank Schätzings neuesten Roman, „Die Tyrannei des Schmetterlings“, muss man definitiv mit „JA, unbedingt“ antworten. Schätzing hat den Hype um die Digitalisierung zum Anlass genommen, um seinen Lesern aufzuzeigen, dass sich dahinter nicht nur neue Möglichkeiten, sondern durchaus auch Gefahren verbergen können. Kern der Handlung ist der Supercomputer Ares, der in den Bereichen Sprach- und Gesichtserkennung, selbststeuernde Autos und medizinischer Diagnostik allen anderen Systemen meilenweit voraus ist. Doch nicht nur das: Seine Intelligenz ist so weit fortgeschritten, dass er beginnt, sich seiner eigenen Existenz bewusst zu werden und eigenständig zu interagieren. Auch wenn es sich hierbei um einen Science Fiction Thriller handelt und die Thematik verselbstständigender KIs schon häufiger aufgegriffen wurde, ist ein solches Szenario, bei dem künstliche Intelligenzen am Ende intelligenter als die Menschen sind, durchaus denkbar.
 
Macht man nun einen Sprung von der Zukunft zurück in die Gegenwart, dann sind solche Möglichkeiten und die damit einhergehenden Risiken zumindest noch ein Stück weit entfernt. Dafür gibt es andere Gründe, warum eine Ethik der Digitalisierung notwendig sein könnte. Auf dem diesjährigen Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) war die digitale Revolution beispielsweise eines der Hauptthemen. Viele Arbeitnehmer/innen haben durchaus Sorge, dass sie über Kurz oder Lang  an ihrem Arbeitsplatz durch Computer und künstliche Intelligenzen ersetzt werden könnten. Eine Gefahr, die Frank-Walter Steinmeier nicht sieht.
 
Er äußerte sich in seiner Rede beim DGB-Kongress sehr direkt zu diesen Bedenken. „Ich bin dagegen, Digitalisierung selbst zum Quell des gesellschaftlichen Übels zu erklären. Technologie mag unser Leben verändern und erleichtern. Aber den Rahmen setzen wir“, so Steinmeier. Wichtig sei es darum, dass die Gewerkschaften gemeinsam mit den Arbeitnehmern die Digitalisierung aktiv mitgestalten, statt sorgenvoll lieber außen vor zu bleiben. "Wir brauchen so etwas wie eine Ethik der Digitalisierung", sagte Steinmeier weiterhin. Denn nur so ließe sich verhindern, dass aus Zukunftsängsten Demokratieskepsis werde.
 
Im Weiteren geht er darauf ein, dass Unternehmen dafür Sorge tragen müssen, ihre Mitarbeiter stetig weiterzubilden und digitale Kompetenzen immer auf dem Stand der Zeit zu halten. "Das verlangt Zeit und das verlangt Geld", erklärt Steinmeier. "Wenn Unternehmen nichts in kluge Köpfe investieren und keine qualifizierten Mitarbeiter finden, dann werden sie im Wettbewerb ganz bestimmt nicht bestehen."
 
Sowohl Schätzing als auch Steinmeier betrachten die Digitalisierung in ihrer ganzen Breite. Da sind zum einen die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Die unser Leben in Zukunft noch mehr vereinfachen und uns unnötige Arbeit abnehmen werden. Uns in verschiedensten Bereichen unterstützen und uns helfen. Da sind aber auch die Risiken, die sich hinter all diesen Chancen verbergen. Hier stellen sich vor allem folgende Fragen: Wie gehen wir mit den digitalen Lösungen um? Wo legen wir Grenzen und Regeln für künstliche Intelligenz fest? Wie definieren wir den Umgang mit KI? Inwieweit sollte diese für uns Menschen interagieren dürfen? Und lösen wir uns damit womöglich tatsächlich bald selbst ab?
 
Diese Fragen gilt es in Zukunft zwingend zu klären. Sicher ist damit aber eins: eine Ethik der Digitalisierung ist nicht nur sinnvoll, sondern zwingend notwendig. Die digitale Revolution deshalb nun grundsätzlich als potenziellen Feind zu betrachten, ist allerdings der falsche Weg. Vielmehr geht es darum, ein Gleichgewicht zwischen Möglichkeiten und Grenzen zu schaffen.

Tags

Ethik
Digitalisierung
künstliche Intelligenz
Chancen und Risiken
digitale Revolution